Warum von Nazis beschlagnahmte Bilder noch immer im Besitz von Museen sind

Die Nazizeit ist die wohl unrühmlichste Periode in der Geschichte Österreichs. Hitlers Schergen besetzten nicht nur die Alpenrepublik, sondern plünderten sie auch. Unzählige Kunstwerke wurde beschlagnahmt – oft unter der Verdacht der entarteten Kunst oder aus reiner Gier. Nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs tauchten manche dieser Kunstwerke wieder auf – aber selten in Österreich. Tatsächlich waren es plötzlich Privatleute oder gar Museen, die im Besitz von Klimt-Malereien oder anderen Bilder waren. Erst 1998 wurden die Washington Conference Principles on Nazi-Confiscated Art unterzeichnet, die aber nur eine Absicht erklärten, konfiszierte Kunst zurückzugeben und für die Teilnehmerländer nicht verpflichtend waren. Immerhin unterschrieben 44 Länder, darunter auch Österreich, die Erklärung.

Einer der Hauptgründe, warum von den Nazis beschlagnahmte Werke heute immer noch in Museen zu sehen sind, sind die – oft strittigen – Besitzverhältnisse. Anwälte auf der ganzen Welt streiten sich vor Gericht darum, ob Werke rechtmäßig im Besitz eines Museums oder einer Privatperson sind oder ob sie zurückgeben werden müssen.

1998 wurde in Österreich das Kunstrückgabegesetz verabschiedet. Grund dafür war die Beschlagnahme von Egon Schieles Gemäld

Einmarsch in das Sudetenland. Motorisierte deutsche Truppen in Saaz. German mechanized troops enter Saaz. The streets are decorated with swastika flags and banners. 9.10.1938 14.30 Uhr. Saaz. Sudetenland

e Bildnis Wally und Tote Stadt III in New York gewesen. Man vermutete, dass die Bilder den ursprünglichen Eigentümern während der NS-Herrschaft abgepresst wurden.

Im Rahmen der Restitutionspolitik gab es viele Rückgaben von Kunstwerken und Sammlungen, so dass diese wieder in Bundesbesitz kamen. Möglich machte es ein Gesetz aus dem Jahre 1918, betreffend das Verbot der Ausfuhr und der Veräußerung von Gegenständen geschichtlicher, künstlerischer oder kultureller Bedeutung. Damit konnte man zwar die Ausfuhr von Kunst verhindern, die sich im Lande befand. Aber erst das Kunstrückgabegesetz machte es möglich, auch im Ausland befindliche Kunstwerke zurückzufordern, die sich – nach Auffassung der Staates – unrechtmäßig dort befanden.

Viele Prozesse sind auch heute nicht beendet und dürften noch Jahre dauern. Die Museen sehen sich im Recht, oft weil sie zwar das Kunstwerk rechtmäßig gekauft haben, aber der Verkäufer nicht rechtmäßig im Besitz war. Das ist zumindest die Grundlage der meisten rechtlichen Auseinandersetzungen.